Die Opernfestspiele als Wirtschaftsfaktor für die Stadt Heidenheim – Ergebnisse einer Studie der DHBW
Kulturbetriebe wie die Opernfestspiele Heidenheim (OH) haben positive Effekte auf das kulturelle und gesellschaftliche Leben einer Region. Kultur kann Menschen aufrütteln, Orientierung geben, sie vermittelt Wissen und kann zumindest für ihre Fangemeinde das Leben bereichern. Zudem tragen sie, basierend auf dem überregional ausgerichteten Programmangebot, zu einer Verbesserung des Bekanntheitsgrads und des Images von Heidenheim bei.
Über solche qualitativen Aspekte hinaus haben die Opernfestspiele aber auch quantitativ-monetäre Wirkungen auf die lokale Wirtschaft. Wie groß diese sind, wurde im Rahmen der Vorlesung „Marketing Research“ an der DHBW Heidenheim unter Leitung von Prof. Dr. Sandra Bombe und Prof. Dr. Michael Froböse als Praxis-Lehrprojekt untersucht – unter dem Stichwort „Umwegrentabilität“. Von „Umweg“ ist deshalb die Rede, weil nicht nur die Kulturfans von der kommunalen Subventionierung der Opernfestspiele profitieren, sondern beispielsweise auch lokale Hotels, Restaurants und Handelsbetriebe, in denen die Besucher bei ihrem Aufenthalt in Heidenheim Geld ausgeben (was wiederum auch Steuerzahlungen zur Folge hat).
Bemessen wird die Umwegrentabilität mit einem Multiplikator, der angibt, in welchem Verhältnis die Zuflüsse in die lokale Wirtschaft zu den Zuschüssen aus dem kommunalen Haushalt an die Opernfestspiele stehen. Ein Umwegrentabilitätsfaktor von 2 besagt dabei beispielsweise, dass für jeden Euro Zuschuss an die kulturelle Einrichtung, eine zusätzliche regionale Wertschöpfung und Steuerrückflüsse in Höhe von 2 Euro generiert werden.
Die Berechnung der Umwegrentabilität ist ein komplexer Vorgang, bei dem die Prinzipien der Lokalität und der Zusätzlichkeit zu beachten sind. Was die Lokalität angeht, wurde nur der monetäre Zufluss an die Stadt Heidenheim in einem Umkreis von ca. 10 Kilometern berücksichtigt. Und es wurden nur Ausgaben in die Berechnung einbezogen, die speziell durch die Opernfestspiele zusätzlich in der Region entstanden sind. Besonders wichtig sind dabei die Besucher*innen, die von außerhalb kommen und in Heidenheim übernachten, da diese in der Regel deutlich mehr Geld in der Region ausgeben als Tagesbesucher. Hinzu kommen Ausgaben der angereisten Künstler*innen und mitgereister Familienmitglieder sowie die lokalen Sach- und Materialausgaben durch die Festspiele. Um die nötigen Zahlen zu erhalten, wurden sowohl die Festspielbesucher als auch die Künstler befragt, und zwar nach Aufenthaltsdauer, den genauen Reisegründen und den Ausgaben etwa für Übernachtungen oder Einkäufe.
Im Ergebnis der Studie zeigte sich, dass die Festspielbesucher*innen im Zuge ihres Aufenthalts im Gesamtschnitt 87 Euro im Raum Heidenheim ausgeben - multipliziert mit der Zahl der Besucher ergibt dies einen Betrag von rund 1,4 Millionen Euro. Künstler*innen bleiben im Schnitt 42 Tage vor Ort und nächtigen zu über 80% in einer bezahlten Unterkunft, was zu einer Erhöhung der regionalen Wertschöpfung von 0,4 Millionen Euro führt. Die lokalen Sach- und Materialausgaben durch die OH sowie deren Ausgaben für die Künstler*innen schlagen wiederum mit weiteren ca. 0,7 Millionen Euro zu Buche. Schließlich wurden bei den finanziellen Effekten für die Stadt Heidenheim auch noch indirekte ökonomische Effekte berücksichtigt, die insbesondere dadurch entstehen, dass Ausgaben für eine Hotelübernachtung oder einen Restaurantbesuch immer Ausgaben der jeweiligen Betriebe bei weiteren Betrieben nach sich ziehen. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes fließen bspw. bei Gaststätten und Beherbergungsbetrieben 44% der Aufwendungen in den Erwerb von Vorleistungsgütern und -dienstleistungen. Insgesamt machen diese indirekten finanziellen Effekte weitere 0,8 Millionen Euro aus. In Summe resultieren hieraus 3,3 Millionen Euro – für eine Stadt in der Größenordnung von Heidenheim eine beachtliche Summe für die lokale Wirtschaft, die es ohne die Opernfestspiele nicht gäbe.
Bei den Ergebnissen arbeitet die Studie mit drei Rechenmodellen. Die zurückhaltende Betrachtung setzt die 3,3 Millionen Euro in Relation zu den jährlichen städtischen Zuschüssen für die Festspiele in Höhe von 1,3 Millionen Euro, was einem Wertschöpfungsfaktor von 2,5 entspricht.
Eine Besonderheit in Heidenheim ist allerdings, dass ein Teil der Ausgaben der Opernfestspiele direkt, also ohne Umweg in städtische Unternehmen wie beispielsweise an die Congress- und Event-GmbH zurückfließen. Wenn man diese Direktausgaben berücksichtigt, ergibt sich in Summe ein Faktor von 3,6.
Das dritte Rechenmodell bezieht auch noch die regionale und überregionale Medienpräsenz der Opernfestspiele mit ein. Hierzu wurde der sogenannte Werbeäquivalenzwert ermittelt. Dieser weist aus, wie viel es gekostet hätte, die gleiche Fläche, Sendezeit oder Sichtbarkeit durch bezahlte Werbung zu erreichen, anstatt durch kostenlose redaktionelle Berichterstattung (z.B. in Zeitungen, Magazinen oder Radio-Beiträgen). Die zusätzliche Berücksichtigung dieses überregionalen Werbewerts (der allerdings nur in Teilen taxiert werden konnte) lässt den Umwegrentabilitätsfaktor für die Opernfestspiele schließlich auf 3,8 steigen.